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Rotlichtlampe

Elektromedizin

Die Medizin ohne Medikamente

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurden elektrischen Entladungen von Ärzten für Heilzwecke genutzt und als „Medizin ohne Medikamente“ angepriesen. So manch' frühe elektromedizinische Apparaturen wirkten kurios, aber sie sollten geeignet sein, um eine Vielzahl von Krankheiten zu heilen. Die elektrischen Behandlungen dienten zum Stärken der Abwehrkräfte und trugen angeblich zum allgemeinen Wohlbefinden bei.  

Zweifellos lässt sich die Elektrizität aus der Medizin heute nicht mehr fortdenken. Frühe Entdeckungen, wie das Röntgenverfahren, werden heute noch angewendet.

Eine Zeitreise durch die Geschichte der Elektromedizin

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historische Zeichnung, auf der Otto von Guericke eine Schwefelkugel trägt
Bayrische Staatsbibliothek, München, Sign. Res2 A.gr.b. 63#Beibd.1, Fol. 129

Der Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke (1602–1686) erfindet die Elektrisiermaschine mit drehbarer Schwefelkugel.

das Titelblatt des Buches Die Kraft und Wirkung der Elektrizität
Sign. Phys.sp. 470 m#Beibd.3, Frontispiz

Johann Gottlieb Schäffer (1720–1795) thematisiert in seinem Buch „Die Kraft und Wirkung der Electricitet in dem menschlichen Körper“ die medizinische Nutzung der Elektrizität.

Porträt von Werner von Siemens
Siemens AG, Corporate Archives, Berlin

Werner von Siemens (1816–1892) entwickelt einen Apparat für die Nervenbehandlung mit Wechselstrom, den Schlitten-Induktionsapparat.

Kuriose elektromedizinische Apparatur zur Anwendung beim Baden

Der elektrische Strom gilt als heilsames Mittel, um erschöpfte Energien wieder herzustellen.

 

Eine Dame wird mit einer elektromedizinischen Apparatur behandelt

Der Nachweis der elektromagnetischen Wellen ist der Auftakt dafür,  hochfrequente Ströme für medizinische Zwecke zu nutzen.

ein röntgenbild zeigt die Hand von Röntgens Frau
Wellcome Library, London, ICV No. 30003

Der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923) entdeckt die nach ihm benannte Röntgenstrahlung.

Bestrahlung mit Glühlampen: Die Siemens & Halske AG bringt das Elektrische Lichtbad auf den Markt.

ein Herr wird mittels eine elektromedizinischen Apparatur behandelt

Der Elektrokardiograph von der Cambridge Instrument Company misst über mehrere Elektroden die Polarisierung und Depolarisierung der Herzmuskelhaut und spürt damit verschiedene Herzerkrankungen auf.

ein elektromedizinische Bestrahlungsgerät

„Anapol besitzen, heißt Gesundheit schützen“, so lautet der Werbespruch für den Hochfrequenzstrahlapparat der Firma Dr. Förster, Leipzig.

eine Katalogseite über einen Hochfrequenzstrahlapparat

Mit dem Slogan „Frisch und elastisch“ wirbt August Stukenbrok (1867–1930) in einem eigenen Katalog für seine elektromedizinischen Apparate.

ein elektromedizinische Bestrahlungsgerät

Nach wie vor werden Rotlichtlampen bei Beschwerden eingesetzt – jedoch mit moderneren Geräten.

 

Der englische Ingenieur Godfrey N. Honnsfield (1919–2004) entwickelt den ersten Computertomographen.

ein Patient wird von einem Arzt auf eine Behandlung mit dem CT vorbereitet

Die Siemens AG präsentiert mit dem Computertomographen SIRETOM ein innovatives Diagnosegerät.

 

In dem Video sehen Sie allerlei kuriose Apparturen, die geeignet waren, um jede Art von Krankheit zu heilen.

Der Hochfrequenzstrahlapparat

Hochfrequenzstrahlapparat in einem aufgeschlagenen Transportkoffer
Hochfrequenzstrahlapparat, ELMEDA, Berlin, um 1928

Seit der Entdeckung der Elektrizität versuchen die Menschen, deren positive Wirkung auf die Gesundheit zu erforschen. Die Entwicklung der Hochfrequenzbestrahlung gründet sich auf erste Forschungen des kroatisch-amerikanischen Ingenieurs Nikola Tesla (1856–1943) im Jahre 1890. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten deutsche Techniker und Wissenschaftler den Hochfrequenz-Bestrahlungsapparat.

Der Apparat besteht aus einem Wechselstrom-Transformator, einer Handspule und diversen gläsernen Elektroden, die zur Behandlung der verschiedenen Krankheiten dienen sollten. Die heilende Elektrizität wurde in Form von Wechselstrom mit hoher Schwingungszahl erzeugt und über die Elektroden dem Körper zugeführt. Die Wissenschaftler nahmen zum Beispiel an, dass der Strom Ozon (O3) entwickelt, das durch die Elektrode in die Blutbahn eindringt und dort Krankheitserreger abtötet. Der Hoch-frequenz-Bestrahlungsapparat sollte zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten dienen, wie beispielsweise bei Hautleiden, Nervosität, Knochenbruch, Verstopfung, Würmern und Schlaflosigkeit. Daher gab es die Elektroden auch in vielen verschiedenen Formen.

Ewald Paul (1863-?) bestätigte 1928 in seinem Buch „Die Hochfrequenz als Verjüngungsmittel“, dass der Apparat wahre Wunder wirke: „Wir erleben Verjüngungen nach allen Richtungen: an den Augen, dem Gehör, […] Die Elektrizität ist der Vermittler zwischen Körper und Seele!“ Oder gar: „Der Mensch braucht die Strahlen des Hochfrequenz-Bestrahlungsapparates wie die Pflanze das Licht zum Leben“. Aber es wurde auch vor Neben-wirkungen gewarnt, so dass manch altes Leiden wieder auftreten könne!

Der elektrogalvanische Apparat

Sehr universell waren die elektrogalvanischen Apparate anzuwenden. Bei dieser Heilmethode wurden mehrere Elektroden auf die Haut aufgesetzt. Mittels einer Batterie wurde dann ein schwacher Gleichstrom durch den menschlichen Körper geschickt.

Es gab keine Symptome, die nicht durch die Anwendung des „galvanischen Stroms“ behoben werden konnten. So sollte diese Methode zum Beispiel gegen Bettnässen, Bleichsucht, Impotenz, Ohrensausen, Plattfüße, Schlaflosigkeit und Stuhlverstopfung angewendet werden können.

Die Firma Wohlmuth, die wohl damals die meisten dieser Geräte gebaut hat, veröffentlichte stolz die Dankschreiben ihrer Patienten. Für geschäftstüchtige Kunden brachte der Versandhandel um 1912 sogar Geräte mit Geldeinwurf auf den Markt. Für 50 Reichsmark konnte man sich so eine eigene Praxis einrichten und den Einsatz durch Behandlung von Freunden und Verwandten wieder hereinholen.

Der Elektrisierapparat

Ein Elektrisierapparat mit Münzeinwurf sollte gesund erhalten
Münz-Elektrisier-Apparat, unbekannter Hersteller, um 1912

„Elektrisieren ist gesund!“ – Anfang des 20. Jahrhunderts galt elektrischer Strom als das Allheilmittel gegen Kopfschmerz, Neuralgie, Rheumatismus und Nervosität. Auch zur Vorbeugung gegen Krankheiten wurde regelmäßiges Elektrisieren empfohlen.

Auf einem anderen Gerät stand geschrieben: "Ein Weg zu Kraft und Schönheit. Zur Vorbeugung von Krankheiten wird häufiges Elektrisieren ärztlich empfohlen."

„Nach Einwurf eines 10Pfg.-Stückes linke Hand am Knopf, rechte Hand langsam Kurbel drehen“ – So lauteten die Bedienungshinweise zum Betrieb des Gerätes. Dadurch wurde ein starkes Kribbeln in den Handflächen erzeugt, dass sich bei empfindlichen Personen bis in den Ellenbogen fortsetzte.

Auf zahlreichen Bahnstationen konnten sich die Reisenden früher elektrisieren lassen und auf diese Weise Kraft und neue Energie für die Weiterreise tanken.

"Häufiges Elektrisieren wird ärztlich empfohlen" - was es damit auf sich hat, erfahren Sie in dem Video.

Das Röntgengerät

dieses Röntgengerät nennt man auch Röntgenkugel
Röntgenkugel R305 1922, Siemens-Reiniger, Erlangen, um 1934

1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) "eine neue Art von Strahlen". Das erste Demonstrationsobjekt für die X-Strahlen, wie er sie nannte, war die Hand seiner Gattin.

Diese neue Technologie revolutionierte die medizinische Diagnostik. Ohne operative Eingriffe war es den Ärztinnen und Ärzten nun möglich, sich ein Bild vom Inneren des Menschen zu machen.

Nebenstehende Röntgenkugel stammt aus den 1930er Jahren. Das Gerät erzeugte eine Röntgenspannung von 60.000 Volt bei 10 Milliampere Stromstärke.

Der Zahnbohrer

Detail eines Tret-Zahnbohrers
Tretbohrmaschine, Firma Richter, um 1920

Als 1871 der amerikanische Zahnarzt James Beall Morrison (1829-1917) seine Tretbohrmaschine entwickelte, stand seiner Kundschaft einiges Leid bevor: Über eine Fußwippe trieb der sportliche Dentist das Schwungrad an. Ein Keilriemen übertrug die Umdrehungen auf den kleinen Metallbohrkopf. Glaubt man den Überlieferungen, soll er durch das schnelle Treten der Fußwippe bis zu 2.000 Umdrehungen pro Minute erreicht haben - leider immer noch zu wenig für eine komfortable Behandlung.

Mittlerweile weiß man, dass ab einer Umdrehungszahl von 175.000 Umdrehungen pro Minute die Vibrationen des Bohrers schnell genug sind, um keinen Bohrschmerz mehr hervorzurufen. Erst ab 1901 konnte das Leid ein wenig gemildert werden. Die Triumph-Bohrmaschine der Firma Siemens kam in die Praxen. Der kleine Elektromotorersparte dem Zahnarzt die Fitnessübungen und den Patienten die größten Qualen.

 

In dem Video sehen Sie den Tretzahnbohrer in Aktion.  

Der Herzschrittmacher

Der Schwede Arne Larsson (1915–2001) war der erste Patient, der sich Ende der 1950er Jahre einen Herzschrittmacher implantieren ließ. Er entschied sich wegen der hohen Infektionsgefahr gegen einen externen Herzschrittmacher. Denn die zum Herzen führenden Kabel entzündeten sich häufig bakteriell.

Seine Wahl fiel auf einen Herzschrittmacher, den der Ingenieur Dr. Rune Elmquist (1906–1996) entwickelt hatte. Der Impulsgenerator wurde unterhalb des Brustkorbes implantiert. Die Impulse hatten eine Spannung von zwei Volt und eine Dauer von 1,5 Millisekunden mit einer konstanten Frequenz von 70 bis 80 Impulsen pro Minute. Als Stromquelle dienten Nickel-Cadmium-Akkumulatoren. Das hatte zur Folge, dass der Herzschrittmacher nachgeladen werden musste. In einer Nacht konnte man ihn für vier Wochen aufladen.

Am 8. Oktober 1958 implantierte der schwedische Chirurg Åke Senning (1915–2000) den Herzschrittmacher seinem Patienten Arne Larsson. Der eingetretene Erfolg war nur von kurzer Dauer. Später wurde ihm ein verbessertes Gerät implantiert. Der Patient wurde nur noch durch die Beule am Bauch an den Herzschrittmacher erinnert. Arne Larsson ist 86 Jahre alt geworden. In 43 Jahren wurden ihm 26 Herzschrittmacher eingesetzt.