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Rotlichtlampe

Medizin, Hygiene und Schönheit

Medizin ohne Medikamente 

Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurden elektrischen Entladungen von Ärzten für Heilzwecke genutzt und als „Medizin ohne Medikamente“ angepriesen. So manch' frühe elektromedizinische Apparaturen wirkten kurios, aber sie sollten geeignet sein, um eine Vielzahl von Krankheiten zu heilen. Die elektrischen Behandlungen dienten zum Stärken der Abwehrkräfte und trugen angeblich zum allgemeinen Wohlbefinden bei.  

Zweifellos lässt sich die Elektrizität aus der Medizin heute nicht mehr fortdenken. Frühe Entdeckungen, wie das Röntgenverfahren, werden heute noch angewendet.

Hochfrequenzstrahlapparat in einem aufgeschlagenen Transportkoffer
Hochfrequenzstrahlapparat, ELMEDA, Berlin, um 1928
Hochfrequenzstrahlapparat

Die Entwicklung der Hochfrequenz-Bestrahlung gründet sich auf erste Forschungen des kroatisch-amerikanischen Ingenieurs Nikola Tesla (1856–1943) im Jahre 1890. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten deutsche Techniker und Wissenschaftler den Hochfrequenz-Bestrahlungsapparat.

Die heilende Elektrizität wurde in Form von Wechselstrom mit hoher Schwingungszahl erzeugt und über die Elektroden dem Körper zugeführt. Der Hochfrequenz-Bestrahlungsapparat sollte zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten dienen, wie beispielsweise bei Hautleiden, Nervosität, Knochenbruch, Verstopfung, Würmern und Schlaflosigkeit.  

Detail eines Tret-Zahnbohrers
Tretbohrmaschine, Firma Richter, um 1920

Zahnbohrer

Als 1871 der amerikanische Zahnarzt James Beall Morrison (1829-1917) seine Tretbohrmaschine entwickelte, stand seiner Kundschaft einiges Leid bevor: Über eine Fußwippe trieb der sportliche Dentist das Schwungrad an. Ein Keilriemen übertrug die Umdrehungen auf den kleinen Metallbohrkopf. Glaubt man den Überlieferungen, soll er durch das schnelle Treten der Fußwippebis zu 2.000 Umdrehungen pro Minute erreicht haben - leider immer noch zu wenig für eine komfortable Behandlung.

Mittlerweile weiß man, dass ab einer Umdrehungszahl von 175.000 Umdrehungen pro Minute die Vibrationen des Bohrers schnell genug sind, um keinen Bohrschmerz mehr hervorzurufen.

Erst ab 1901 konnte das Leid ein wenig gemildert werden. Die Triumph-Bohrmaschine der Firma Siemens kam in die Praxen. Der kleine Elektromotorersparte dem Zahnarzt die Fitnessübungen und den Patienten die größten Qualen.

 

ein Haartrockner mit Metallgehäuse und Holzgriff
1899 meldete die Firma „Sanitas“ ein Patent auf einen Haartrockner namens „Foen®“ an.
Haartrockner

Die Urform des Föns wurde bereits 1899 von der Allgemeinen Electricitäts-Gesellschaft, der AEG, mit einem stolzen Gewicht von zwei Kilogramm auf den Markt gebracht. Dieser Fön blies aus einer Art Düsenrohr 90 Grad heiße Luft. Der Motor zum Antrieb des Ventilators war im Griff untergebracht.

Das Gerät war nicht ausschließlich zur Pflege der Frisur gedacht. Um 1910 kam die erste annähernd tragbare Heißluftdusche in den Handel: 1,8 Kilogramm Gewicht und 300 Watt Leistung brachten plötzlich ungeahnte Anwendungsmöglichkeiten mit sich. Ob Rheumatismus, kalte Bade- und Bettwäsche, schlappe Federboas, nasse Hunde oder blasse Haut – mit der elektrischen Heiss- und Kalt-Luftdusche konnte alles behandelt werden.   

Ein Elektrisierapparat mit Münzeinwurf sollte gesund erhalten
Münz-Elektrisier-Apparat, unbekannter Hersteller, um 1912
Elektrisierapparat

„Elektrisieren ist gesund!“ – Anfang des 20. Jahrhunderts galt elektrischer Strom als das Allheilmittel gegen Kopfschmerz, Neuralgie, Rheumatismus und Nervosität. Auch zur Vorbeugung gegen Krankheiten wurde regelmäßiges Elektrisieren empfohlen.

„Nach Einwurf eines 10Pfg.-Stückes linke Hand am Knopf, rechte Hand langsam Kurbel drehen“ – So lauteten die Bedienungshinweise zum Betrieb des Gerätes. Dadurch wurde ein starkes Kribbeln in den Handflächen erzeugt, dass sich bei empfindlichen Personen bis in den Ellenbogen fortsetzte.

Auf zahlreichen Bahnstationen konnten sich die Reisenden früher elektrisieren lassen und auf diese Weise Kraft und neue Energie für die Weiterreise tanken.

dieses Röntgengerät nennt man auch Röntgenkugel
Röntgenkugel R305 1922, Siemens-Reiniger, Erlangen, um 1934
Röntgengerät

1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) "eine neue Art von Strahlen". Das erste Demonstrationsobjekt für die X-Strahlen, wie er sie nannte, war die Hand seiner Gattin.

Diese neue Technologie revolutionierte die medizinische Diagnostik. Ohne operative Eingriffe war es den Ärztinnen und Ärzten nun möglich, sich ein Bild vom Inneren des Menschen zu machen.

Nebenstehende Röntgenkugel stammt aus den 1930er Jahren. Das Gerät erzeugte eine Röntgenspannung von 60.000 Volt bei 10 Milliampere Stromstärke.

eine Bestrahlungslampe der Firma Ulvir
Ulvir-Sonne, Ulvir-Apparatebau, Berlin, um 1938
Die Höhensonne

Anfang der 1950er Jahre leuchteten in nahezu jedem deutschen Nachkriegshaushalt UV-Lampen: Ob Hand-, Tisch- oder Standstrahler, Gleichstrom-, Wechselstrom- oder Alpina-Brenner – alles strahlte im Dienste der Gesundheit.

Die Höhensonnen dienten dazu, die Haut zu bräunen, Akne zu behandeln und die Vitamin-D-Produktion anzuregen. Damals galt die Ulvir-Sonne, der Firma Ulvir-Apparatebau Berlin sogar als Kraftquelle. Der Hersteller versprach Verjüngung, Verschönerung und Kräftigung.

Dauerwellengerät
Dauerwellenapparat Wella-Junior, Modell 8, F.Ströher AG, Rothenkirchen, um 1936
Dauerwellengerät

Die Franz Ströher AG aus dem Vogtland brachte unter dem Namen „Wella Junior“ im Jahr 1927 das erste elektrische Dauerwellgerät in die Frisierstuben und -salons.

In den 1930er Jahren gehörten die Dauerwell-Apparate mit den langen Strippen zur Standardausstattung der Salons. Jede Frau, die etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, trug jetzt Dauerwelle, denn es hieß. „Mädchen mach' dir Locken, sonst bleibst'e hocken.“

 

 

Heimsauna

Die Heimsauna war in den 1950er Jahren sehr populär. Mit heilsamer Wärme sollte sie einer Vielzahl von Krankheiten wie zum Beispiel Rheuma, Ischias, Diabetes, Kreislaufleiden, Erkältungskrankheiten und Fettleibigkeit vorbeugen und zu einer besseren Gesundheit verhelfen.

Die Heimsauna besteht aus einer faltbaren Schwitzkabine, in die ein Heizstuhl mit Infrarotstrahler eingebaut wird. Die Kabinenwand ist speziell beschichtet, sodass sie die Infrarotstrahlen zurückwirft und gleichmäßig über die ganze Kabine verteilt. Abschließend wird sie mit einer Halskrause geschlossen, sodass der Kopf außerhalb bleibt. Der positive medizinische Effekt entsteht, weil schädliche Stoffwechselprodukte mit dem Schweiß über das Hautorgan ausgeschieden werden.

Auch spielte der kosmetische Aspekt eine Rolle, wie der Auszug aus dem Begleitheft verrät: „Für den Mann und noch mehr für die Frau ist wichtig, dass durch die verbesserte Hautdurchblutung Falten und Runzeln am Entstehen gehindert bzw. später eventuell zum Verschwinden gebracht werden können.“

Herzschrittmacher

Der Schwede Arne Larsson (1915–2001) war der erste Patient, der sich Ende der 1950er Jahre einen Herzschrittmacher implantieren ließ. Er entschied sich wegen der hohen Infektionsgefahr gegen einen externen Herzschrittmacher. Denn die zum Herzen führenden Kabel entzündeten sich häufig bakteriell.

Seine Wahl fiel auf einen Herzschrittmacher, den der Ingenieur Dr. Rune Elmquist (1906–1996) entwickelt hatte. Der Impulsgenerator wurde unterhalb des Brustkorbes implantiert. Die Impulse hatten eine Spannung von zwei Volt und eine Dauer von 1,5 Millisekunden mit einer konstanten Frequenz von 70 bis 80 Impulsen pro Minute. Als Stromquelle dienten Nickel-Cadmium-Akkumulatoren. Das hatte zur Folge, dass der Herzschrittmacher nachgeladen werden musste. In einer Nacht konnte man ihn für vier Wochen aufladen.

Am 8. Oktober 1958 implantierte der schwedische Chirurg Åke Senning (1915–2000) den Herzschrittmacher seinem Patienten Arne Larsson. Der eingetretene Erfolg war nur von kurzer Dauer. Später wurde ihm ein verbessertes Gerät implantiert. Der Patient wurde nur noch durch die Beule am Bauch an den Herzschrittmacher erinnert. Arne Larsson ist 86 Jahre alt geworden. In 43 Jahren wurden ihm 26 Herzschrittmacher eingesetzt.