Ein Vortrag von Prof. Dr. Horst A. Wessel am 30. März 2017

Prof. Dr. Horst A. Wessel lädt in seinem Vortrag am 30. März 2017 um 18.30 Uhr zu einem Streifzug durch die Entwicklung der Starkstromtechnik ein.

Unter dem Begriff „Starkstromtechnik“ werden die Gebiete der Elektrotechnik betrachtet, die sich seit der Erfindung der Dynamomaschine im Jahr 1866 herausgebildet haben. Vorher standen nur Stromquellen mit sehr kleinen Leistungen –  wie galvanische Elemente – zur Verfügung, deren praktische Anwendungen sich in der Galvanotechnik und in der Medizintechnik fanden. Größere Erfolge konnte die Elektrotechnik jedoch erst erzielen, als es gelang, mit Hilfe der dynamoelektrischen Maschine größere mechanische Leistungen in Elektroenergie umzuwandeln.

„Der Technik sind gegenwärtig die Mittel gegeben, elektrische Ströme von unbegrenzter Stärke auf billige und bequeme Weise überall da zu erzeugen, wo Arbeitskraft disponibel ist. Diese Tatsache wird auf mehreren Gebieten derselben von erheblicher Bedeutung werden.“ Werner von Siemens, 1867

WvS_Kraftzentrale.jpg
Bild: Drehstromzentrale Erding, 1892

Ende der 1880er Jahre waren bereits viele Kraftwerke in Betrieb, die elektrische Energie für vielseitige Verwendungszwecke erzeugten und verteilten: Das elektrische Licht verdrängte Petroleum- und Gaslicht. Dem Handwerk eröffneten sich mit den Elektroantrieben neue Möglichkeiten; elektrische Straßenbahnen ersetzten die schwerfälligen Pferdeeisenbahnen und im Haushalt übernahmen Elektrogeräte schwere Tätigkeiten.

Elektrifizierung_Monteure.jpg
Bild: Als die Monteure noch Fahrrad fuhren

Ende 1890 waren auf fast allen Gebieten die wichtigsten Grundlagen gelegt. Es war ein neuer Industriezweig mit Schlüsselqualifikation entstanden. Die Wirkungen, die von der neuen Energie ausgingen, haben das Zusammenleben der Menschen so tiefgreifend verändert, das Arbeitsleben so grundlegend gewandelt, dass man zu Recht nicht allein vom elektrischen Jahrhundert sprach, sondern auch von einer zweiten und schließlich dritten Industriellen Revolution.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte insbesondere eine Miniaturisierung. Spätestens hier vernetzten sich auch breite Bereiche der Elektrotechnik und Elektronik, die sich lange Zeit als „Schwach- und Starkstromtechnik“ unabhängig voneinander entwickelt hatten. Heute ist uns die Elektrotechnik mit ihren großen Nutzungsmöglichkeiten so selbstverständlich geworden, dass wir uns eine Welt ohne sie –  unabhängig davon, aus welcher Quelle die Energie gewonnen wird –  schlecht vorstellen können.

Prof. Dr. Horst A. Wessel ist ein deutscher Historiker und Unternehmensarchivar. Er war von 1983 bis 2008 Leiter des Mannesmann-Archivs. Prof. Dr. Wessel studierte Germanistik, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte. Er war an der Gründung der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte beteiligt und wurde 1976 deren erster Geschäftsführer, bis 1983. Während dieser Zeit promovierte er mit einer Arbeit über die Entwicklung des elektrischen Nachrichtenwesens in Deutschland und war verantwortlicher Herausgeber der Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Die Elektrotechnik stellte seitdem einen seiner Forschungsschwerpunkte dar. Dies führte dazu, dass er ab 1984 die Kolloquien des VDE-Ausschusses „Geschichte der Elektrotechnik“ organisierte und von 1995 bis 2007 den Vorsitz in diesem Ausschuss innehatte.

Der Fachvortrag ist ein Begleitprogramm zur aktuellen Sonderausstellung ",...ein Reich, welches ich gegründet habe' - Werner von Siemens und die Elektrotechnik".

Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung. Der Eintritt ist frei. 
 

Wir bitten um Anmeldung:

T 05 11-89 74 74 90-0
museum@energiegeschichte.de

 

Bildnachweis: Siemens Corporate Archives, Museum für Energiegeschichte(n)